Tonspuren

– Popblog

Beck: «Morning Phase»

beck291112w Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

Der Sänger wacht auf, nach einer langen Nacht im Sturm, blinzelt und fragt scheu: Können wir nochmals von vorne beginnen? Sechs Jahre nach seinem letzten Studioalbum «Modern Guilt» stellt Beck diesen Wunsch nach einem Neubeginn an den Anfang seiner neuen Platte «Morning Phase» – und greift auf die milden kalifornischen, immer leicht mystifizierten Folk-Harmonien zurück, die auch schon «Sea Change» beseelten.

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Young Fathers: «Dead»

young fathers 1 high Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

Gequetschte Harmonikaakkorde füllen den leeren Raum. Es sind traurige
Akkorde, die im einsetzenden Tribalbeat, den widerhallenden Klagestimmen, den Subbässen und Raps nach und nach untergehen. Der Track schlägt immer neue Haken, bis der Sänger beinahe feierlich den Satz «AK-47 take my brethren straight to heaven» immer und immer wieder wiederholt, während sich der stotternde Beat überschlägt. Vor den Kalaschnikows, die die besungene Brüderschaft direkt in den Himmel schiessen, hilft keine Flucht, es gibt keinen Ausweg, «ohyaiehyayoi». Frieden können die Getriebenen, die den Song «No Way» verantworten, nicht finden. Und wir stehen erst bei Minute drei einer dichten und fordernden Popplatte. «Dead» heisst diese, der Name der Combo: Young Fathers.

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Ja, Panik: «Libertatia»

image-653280-galleryV9-opyp Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

Selten ging einem ein Album so ans Lebendige wie «DMD KIU LIDT» der Gruppe Ja, Panik. Die Freunde der Angst um den Texter, Sänger und Gitarristen Andreas Spechtl wagten sich mit ihrer «Depressionsoper» nahe an den Abgrund, so nah, dass die Stille, die das Album beendete, dringend benötigt wurde. Das war vor drei Jahren.

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Jeans For Jesus: «Jeans For Jesus»

j4j1 Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

Es war Sommer – und die Sonne schien hell und grell. So hell und froh wie das Lied «Estavayeah» der damals mysteriösen Band Jeans For Jesus. Doch natürlich war da, wie bei fast jedem guten Popsong, mehr unter der Oberfläche zu entdecken. Denn da war ein schattiges Erzähler-Gemüt zu vernehmen, das ganz am Schluss feststellt: «Oh Baby, i bi müed». Geschenkt, dass hier die Party-Vuvuzela ein schlappes Geleit anstimmte. Es wurde Herbst – und die Single «Nie Meh» akzentuierte das leicht depressive, verletzliche und sensible Element der vier Berner, die nach diesen Vorboten Ende Januar endlich ihr Debüt veröffentlichten.

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