Toro Y Moi: «What For?»

toro Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

Chaz Bundick ist ein retromanisches Produzentenwunderkind, der sich auf seinen Platten immer mal wieder unentschlossen zeigt. Nun, das ist nicht schlimm, wie sein viertes Album als Toro Y Moi zeigt.

Vor fünf Jahren veröffentlichte der damals 23-jährige Chaz Bundick sein Debütalbum «Causers of This», das mit seinen entschleunigten Milchglas-Popsongs zu einer Blaupause für das unsinnige Rausschmeisser-Genre Chillwave wurde. Wehmütig und nostalgisierend, und ja: retromanisierend fielen diese Schlafzimmerproduktionen aus, die nach und nach und neugierig in den Club zogen.

Natürlich, man konnte schon damals eine gewisse Unentschlossenheit aus den Songs herausspüren, die zuweilen auf halber Strecke stecken bleiben, sei es, weil sie sich an produktionstechnischen Gimmicks erfreuen, oder auch, weil sie zu scheu waren für einen, von dem künftige Pop-Meisterwerke erwartet wurden. Wer geblieben ist im Team von Toro Y Moi, der erfreute sich in der Folge an 70ies-Rockfantasien (wenn ich an einige Songs aus «Underneath the Pine» denke, dann kommt mir immer dieser Bud-Spencer-Terrence-Hill-Soundtrack aus der Jugend in den Sinn), und an Songs wie «Studies» ab seinem bisher am stärksten verwinkelten Album «Anything in Return».

Mittlerweile hat Bundick die Club-Electronica in sein anderes Projekt Les Sins ausgelagert, so dass «What For?» – mit freundlicher Unterstützung des Unknown-Mortal-Orchestra-Meisters Ruban Nielson – wieder in die Welt des sonnigen, leicht psychedelisierten 70ies-Westcoast-Rock eintauchen darf. Detailreich schimmern die Sounds – vorab die elektrischen Gitarren – und die analogen Synthies. Und natürlich: das ist einmal mehr retroselig und scheinbar vielfach gehört, wären da nicht die liebevolle Produktion, die schöne Scheu, die in Bundicks Stimme liegt, und vor allem: überschwängliche «High-School-Dream»-Songs wie «Empty Nesters» und zurückhaltendere Melodien wie «Half Dome». Und wenn dieses kleine, grossherzige Album still ausklingt, ist vieles wieder offen.

Toro Y Moi: «What For?» (Carpark). Zum First-Listen-NPR-Stream.
Live: 3. April, Mascotte, Zürich

Für Gorilla vs. Bear hat Chaz Bundick einen sehr schönen Mix zum Album kompiliert.

toro-y-moi-what-for-cover-art Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

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