Bradford Cox: «Teenage» (OST)

youth Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

VHS- und Kassetten-Träume: Der Deerhunter-Sänger Bradford Cox imaginiert auf dem Soundtrack zum Dokumentarfilm «Teenage» eine schummrige Vergangenheit.

Im vergangenen Jahr trug Bradford Cox eine Marlon-Brando-Lederjacke – und mimte auf «Monomania» seiner Band Deerhunter einen speckigen Rock'n'Roll-Sänger, der dieser Rolle glücklicherweise nicht gewachsen war. So blieb es beim gebrochenen Rollenspiel und bei einer faszinierenden Platte, die den versehrten Cox weiter in die Nacht getrieben hat.  

Nun erscheint sein Soundtrack zum Dokumentarfilm «Teenage», der auf dem Buch «Teenage: The Pre-History of Youth Culture 1875-1945» von Jon Savage basiert und vom New Yorker-Regisseur Matt Wolf («Wild Combination: A Portrait of Arthur Russell») montiert wurde. Und auf dieser Tonspur zum Film, der in der Schweiz kaum gezeigt werden dürfte, ist Bradford Cox wieder der «Memory Boy». Ein erinnernder Bube, für den Pop noch immer eine lebensrettende Wirkung zu haben scheint, und in dessen Loops die Träume und Albträume, die das Teenager-Dasein prägen, geisterhaft nachhallen.

Bradford Cox steigt auch ins eigene Archiv, bearbeitet den Deerhunter-Song «VHS Dream» neu, bastelt Schleifen, die an den ersten britischen Meisterproduzenten Joe Meek gemahnen – und baut den mir bis anhin unbekannten Post-Punk-Song «Kate» der damals 12-jährigen Chandra Oppenheim ein: 

Zum Hören des Soundtracks, der derzeit gestreamt werden kann, empfiehlt sich das Durchsehen des «Youth Culture Blogs», der sich auf der Filmseite findet. Obskure Dokumente, Entwürfe und Filme zeigen die Rollen, die der Typ Teenager durch all die Jahrzehnte durchleben durfte und musste, und die Bradford Cox in seinen traumlogischen Sound-Schleifen geschickt einfängt. Fehlt nur noch der Film.

Bradford Cox: «Teenage» (Cinereach Music)

teenage-soundtrack Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

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