55 Jahreslieder (1/5)
Dieses Jahr gibts keinen täglichen Adventskalender und kein Runterzählen, nur ein paar Songs und Tracks, die mir in diesem Jahr sehr lieb waren. Beispielsweise diese elf hier.
Deakin: «Golden Chords»
Das lange erwartete Solodebüt des Animal-Collective-Mitglieds Josh Dibb beginnt mit diesem Naturlied, dank dem man prima in den Tag reinschlaufen kann. Und die Gitarre, die schimmert golden.
Animal Collective: «Hocus Pocus»
Und gleich Animal Collectivistisch weiter: Ohne Deakin spielten Avey Tare, Panda Bear und Geologist «Painting With» ein, und auch wenn gleich zu Beginn von «Hocus Pocus» Dinosaurier über die Highways wandern, ist dies dann doch ein federnder Song, der munter Spiralen dreht. Das ist nichts für Zyniker, sondern ein Appell an den kindlichen Gwunder, weil: «Wander from the cynical // Take a look at views atypical».
Médico Doktor Vibes: «Diska Limba Man»
Bill Russell hat unter dem Namen Médico Doktor Vibes Ende der Siebziger eine höchst seltsame Proto-Psych-Dancefloor-Musik fabriziert. Dies ist einer der veröffentlichten Songs, ein Wunder.
Odion Iruoje: «Anogo»
Zum ersten Mal hörte ich diesen Song im DJ-Set von Bongo-Joe-Cyril am Kairo Gartenfestival. Und ich erinnere mich, wie der Beginn tanzende Verwirrung stiftete, ehe die Stimme des nigerianischen «Sound President» einsetzte. Umso grösser war die Freude, als ich «Anogo» dank einem Blindkauf wieder hörte – und nun immer wieder höre.
Pussy Mothers: «Echo Party»
Nimm die Kuhglocke mit und gehe zur Echo Party – dank diesem Track eines Boy-Girl-Duos aus Glasgow, über das ich herzlich wenig weiss, ausser: Ihre Musik veröffentlichen die beiden auf Optimo Music und sie lädt ein in eine Disco, die zwar rockt, aber nicht rockig ist. Entdeckt dank dem Newsletter von Monorail Music.
Cate Le Bon: «Wonderful»
Dieser Song ist «wonderful, wonderful, wonderful»! Das muss vorerst reichen, weil es gibt ja dann auch noch die Plattenliste.
Parquet Courts: «Berlin Got Blurry»
Die New Yorker reisen nach Berlin, essen Döner, alles wird undeutlich, weil: «my heart started hurting for you». Und dann orgelts frisch weiter.
Jenny Hval: «Female Vampire»
«A strange slow rhythm, not exactly creating a rhythm», der eigentlich für immer pochen könnte (wie im Konzert an der Kilbi) ist hier zu hören, in einem Track, in dem die Norwegerin den Tanz der weiblichen Vampire zelebriert. «And desire takes place somewhere, everywhere...»
Dirty Projectors: «Keep Your Name»
Eine der besten Nachrichten in diesem Jahr war die Rückkehr von Dave Longstreths Bandprojekt Dirty Projectors. Noch gibt es nicht mehr als diesen morphenden Song, auf dem Longstreth einmal mehr weitergeht als fast alle anderen seiner Brooklyner Zeitgenossen. Das wirklich grosse an «Keep Your Name» ist aber: Hier ist kein Budenzauber zu bestaunen, sondern nur ein berührender, solitärer Song.
Cass McCombs: «Opposite House»
Songschreiben und -arrangieren scheint so einfach, wenn man dieses Meisterstück von Cass McCombs hört. Alles ist hier am richtigen Platz: Die Gesänge von Angel Olsen, das Vibraphon, die einfachen Gitarrenfiguren und die erzählende Stimme von McCombs in diesem Song, der eigentlich in jegliche Playlists der Formatradios gehört.
JaKönigJa: «Woher kommst du?»
«Woher kommst du denn? Und was bist du eigentlich?», fragt Ebba Durstewitz im Refrain dieses so lässig und doch sehnsüchtig instrumentierten Songs, der natürlich keine Antworten kennt – sondern nur Möglichkeiten anbietet.