55 Jahreslieder (5/5)

Bildschirmfoto-2016-12-01-um-17.07.59 Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

Natürlich könnte ich die Jahresjukebox noch weiter und weiter füllen. Da jegliche Listen aber auch von den Leerstellen leben, solls nun gut sein. Hier die letzten elf Lieder.

Deerhoof: «The Devil and his Anarchic Surrealist Retinue»

Warum Deerhoof eine ewige Lieblingsband ist, ist in diesem Song zu hören, in dem in Hochgeschwindigkeit durch die verschiedensten Aggregatszustände geschreddert wird – und doch alles zu einem lieblichen Ende führt. The magic!

Dionisio Maio: «Dia Ja Manche»

Wie Synthesizer wortwörtlich an den Küsten der Kapverden angeschwemmt wurden und die kapverdische Musik um eine kosmische Dimension erweiterte, davon erzählt die superbe Compilation «Space Echo - The Mystery Behind the Cosmic Sound of Cabo Verde Finally Revealed!». Da drauf: Dieser untrügliche Hit.

Katie Gately: «Tuck»

Oh, süsser Overkill! Denn in «Tuck» wird geklotzt mit aufgefundenen Sounds und Stimmmanipulationen und einem Bombast-Beat, der auf den Dancefloor zielt und doch, bei allem Maximalismus und auch Experiment, den Track nie aus den Augen verliert. Auf Albumlänge too much, hier aber fantastisch.

Nicolas Jaar: «No»

Ihn hatte ich nach dem eher schlimmen Darkside-Projekt bereits vergessen, was natürlich falsch war. Denn «No» schlendert in neue Gefilde, indem es Jaars Heimatland Chile grüsst. Das Ja steckt hier in allem, doch eigentlich haben wir bereits Nein gesagt, no?

Oliver Coates: «Timelapse – Walrus»

Er ist Cellist und Komponist und aber auch Produzent von Tracks wie diesem hier, der schön nervös und aber auch friedlich zirpt, und eher für den Kopfhörer als den Dancefloor gemacht ist. Aber was weiss ich schon von Tanzen.

Angel Olsen: «Shut Up Kiss Me»

Achterbahn- oder zumindest Rollschuhfahren mit Angel Olsen, die hier anlockt und zurückweist und dann alles schön krachend beendet.

Nadja Zela: «Mercy on the Weak»

Nadja Zela empfindet die «Immaterial World», die sie auf ihrem gleichnamigen Album besingt, «als eine Art kollektive Ahnung von einer seelischen Verbundenheit der Menschen in ihrem Bestreben nach Liebe, Zusammenhalt und Frieden.» So ist auch «Mercy on the Weak» zu verstehen, ein Aufruf an die Solidarität, der zu Herzen geht. Alles liebe!

Frank Ocean: «Nikes»

Cut, weil hier tauchen wir ein in die Rich-Kid-White-Ferrari-Welt des Frank Ocean, die in diesem Beginn von «Blonde» oder «Blond» eine tieftraurige ist. Marken und die Namen von toten Freunden sowie Trayvon Martin («that nigga look just like me») floaten durch den Raum, während der Beat lostrippt – und zu Tränen rührt.

Ian William Craig: «A Single Hope»

Wahrscheinlich hatte Justin Vernon ähnliches im Sinn wie Ian William Craig, der mit diesem analogen Rausch-Song aus dem Drone-Jenseits Ausserirdische wie Flying Saucer Attack und aber auch Chorknaben grüsst und ein erhabenes Lied singt. Mehr dann bei den Alben.

Hintermass: «From Leaving in Meaning»

Ein verhangener Traumsong für Tage daheim – oder den Frühlings- und Herbstwaldspaziergang. Eine schön konkrete Überraschung aus der Ghost Box – auch dank Tim Feltons einladender Stimme.

Kyle Dixon & Michael Stein: «Stranger Things»

Wohl oder übel eines der meistgehörten Musikstücke ist der Themesong der Retromania-as-Retromania-can-be-Netflix-Serie «Stranger Things», die mich gut unterhalten hat – und auch ohne Bildspur superb funktioniert. Ein sehr seltsames Ding.

Bonnie Prince Billy & Bitchin Bajas: «Your Hard Work is About to Pay Off. Keep On Keeping On.»

Quasi als Bonus: Der Liederfürst als Stimmungshochhalter und Glückskeksbotschaftsverkünder. Dann bricht alles ab – und ich hoffe nicht, dass da Draussen noch mehr Darkness dräut. Keep on – oder sag alles ab?

Alle Jahresjukeboxfolgen gibts hier – der Blick ins Plattenregal folgt dann übernächste Woche.

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