55 Jahreslieder (4/5)

Bildschirmfoto-2016-11-30-um-15.53.38 Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

Es sind schlechte Vibes im Universum – deshalb hier: die vorletzten 11 Tracks der Jahresjukebox.

Breadwoman: «Ee Chê»

Immer noch konstanter Quell des Mysteriums ist dieser Track von Anna Homler und Steve Moshier und ihrem Kunstprojekt Breadwoman. Fantastisch.

Göldin & Bit-Tuner: «Schiiwerfer»

Die Stadt, die sich einst «Downtown Switzerland» als Claim ausgesucht hat, ist nicht nur in diesem Track von Dani Ryer aka Göldin und Bit-Tuner eine Ghost Town. Und die Kastenwagen stehen bereits bereit und sammeln das restliche Dasein ein. Gemütlich ist das nicht, aber es sind ja auch ungemütliche Zeiten. Deshalb: Ab zum Track und den Visuals der Mediengruppe Bitnik.

A Tribe Called Quest: «We the People...»

Eine unwahrscheinliche Rückkehr genau zum richtigen Zeitpunkt und den aufbauenden und kämpferischen Worten von Q-Tip und Phife Dawg gegen die Normalisierung des gewählten Präsidenten und all seinen Freunden. Das nehme ich gerne mit ins nächste Jahr und weiter.

David Bowie: «Lazarus»

Als die Single im Dezember des vergangenen Jahres erschienen ist, kannte man die Tragweite der jenseitigen Anfangszeile «Look up here, I'm in heaven» noch nicht. Nun wirkt sie umso schmerzlicher. «Oh, I'll be free // Ain't that just like me?» singt der Inszenierer des eigenen Todes dann noch – und dann übernimmt Donny McCaslin, farewell.

PJ Harvey: «River Anacostia»

Der Himmel wetterleuchtete über London, als die Marching Band von PJ Harvey summend «River Anacostia» anstimmte, diesem Lied, in dem die Musikerin die existentielle Frage «What would become of us?» stellt, und alles kurzzeitig hell erscheint, ehe man doch feststellt, dass der Sumpf allzu tief ist. Da hilft nur noch eine Gospelphrase. Und Abgang.

Soft Hair: «Lying Has to Stop»

Connnan Mockasin und LA Priest sind und haben Soft Hair. Gemeinsam stiften sie hier den bleibenden Slow-Dance-Song. Und die hitzeverstimmte Gitarre so ab Minute 2:24 macht alle Tage besser.

Cavern of Anti-Matter: «Liquid Gate»

Inmitten der gloriosen Strenge des Debüts dieser Stereolab-Nachfolgeband findet sich «Liquid Gate», auf dem sie für einmal ganz locker diesen Song aus dem Ärmel schütteln. Mit einem ebenso lockeren Bradford Cox, der den Gesang beisteuert.

Hailu Mergia & Dahlak Band: «Sintayehu»

Diesen Track aus dem Jahr 1978 könnte ich in Endlosschlaufe hören. Und es stimmt schon, was Brian Shimkovitz aka Awesome Tapes from Africa, der diese Kassette wieder veröffentlicht hat, schreibt: diese Musik «make a considerable impact on your heart, if only you’re still human in these strange and challenging times.»

Jessy Lanza: «It Means I Love You»

Der Prediger Foster Manganyi gibt den Beat vor, doch was dann geschieht, ist Liebe. Hätte die Jukebox nur ein Lied, es wäre das hier.

Amber Coffman: «All to Myself»

Die Dirty Projectors sind nach der Trennung von Dave Longstreth und Amber Coffman atomisiert, was als Hörer nicht nur schlecht ist. Denn nun gibts auch Solomusik von Coffman, die über den Song sagt: «It’s a song you can slow dance by yourself to without feeling funny if there’s no one else there. A small reminder not to spend too much time fretting and just to get out there, live your life and do what makes you happy.» Auch das: ein Song, der gut tut.

Die Heiterkeit: «Schlechte Vibes im Universum»

Dieser Song verbreitet keine schlechten Vibes, ganz und gar nicht, denn Die Heiterkeit besingen sie mit gewohntem Ennui.

Die ersten Jahreslieder

Die zweiten Jahreslieder

Die dritten Jahreslieder


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