55 Jahreslieder (2/5)
Und weiter, mit elf weiteren Liedern und Tracks, die mir in diesem Jahr lieb waren – weni Zit ha.
Kanye West: «Ultralight Beam»
«The Life of Pablo» ist natürlich ein vermurkstes Stück Musik – mit Ausfälligkeiten und anderen Grenzüberschreitungen. Nur: Da ist (neben «30 Hours» mit dem Arthur-Russell-Sample) eben auch dieser Gospel, gleich zu Beginn des Albums, in dem Yeezus seinen Gott anruft. Und ja, da knien auch vermeintlich Gottlose schon mal nieder. This is everything.
Not Waving: «24»
Alessio Natalizia ist Not Waving und er hat mit «24» einen brutalen und doch auch comichaft verspielten Track produziert. Dieser passte prima auf den Rewire-Dancefloor und funktioniert schönerweise auch zu Hause. Bleibt nur die Frage, ob das ein Brems- oder stranger Hundesound ist.
Eric Copeland: «On»
Lustiger und auch nervender als «24» ist da nur noch dieser Trillerhit von Black-Dice-Mitglied Eric Copeland. Und spätestens am Schluss werden alle mitklatschen im Tempo des wonky Beat.
Buvette: «Smoke Machine Control / SMC»
Cédric Streuli ist noch immer Buvette und mit «Smoke Machine Control / SMC» hat er seine träfste Musik seit dem Debüt «Houses and the Voices» veröffentlicht. «You gonna dance on this», singt er, und das ist dann eben auch das Wesen dieses umwerfenden Tracks für die schöne Disco.
Savages: «Adore»
«Is it human to adore life?», fragt Jehnny Beth in diesem Song – und braucht für die Antwort ganz schön lange, nämlich immerhin die Länge dieses für Savages-Verhältnisse stillen Songs, der ohne Zweifel der Markanteste der Band ist. «Do you adore life?»
Emily Wells: «Don't Use Me Up»
«I joke that it's a song about whiskey, friendship and Jesus, but in truth it was an s.o.s. to myself, to my future self, to people I loved, intended to remind us that the body is finite», schrieb Emily Wells zu diesem Song, der bei allem Elend dennoch scheu zuversichtlich stimmt – auch dank dem berührenden Video. Auch hier: eine Art Gospel.
Blood Orange: «Hands Up»
«Freetown Sound» funktioniert natürlich als Ganzes am besten. Wenn ich aber einen Song auskoppeln müsste aus dem Album des Lebens von Dev Hynes, dann wäre es vermutlich dieser hier, zumal in diesem Jahr. Zärtlich, nicht anklagend singt er in diesem Lullabye-ähnlichen Song Sätze wie «Sure enough they're gonna take your body», ehe am Schluss Teilnehmer eines Black-Lives-Matter-Demonstrationszuges «Don't shoot» skandieren. Ohne Zweifel eines der Hauptwerke des Jahres.
Carly Rae Jepsen & Danny L. Harle: «Super Natural»
Auch Carly Rae Jepsen ist auf «Freetown Sound» zu hören, doch markanter war ihre Single mit dem PC-Music-Produzenten Danny L. Harle, der nun also in der Song Factory angekommen ist. Und natürlich ist «Super Natural» superglissy, supernervtötend und aber auch superglücklich. Und das ist ja dann doch das Wichtigste. Zudem: Erinnerungen an den Sommer.
Yangboy$: «Weni Zit ha»
Es ist Sommer in der Bundesstadt und einige chillen im Freibad Weyermannshaus, sofern sie Zeit haben. Das ist denn auch die Catchphrase dieses Tracks – und was für eine das ist.
BadBadNotGood feat. Samuel Herring: «Time Moves Slow»
Die kanadischen Instrumentalisten luden nach den Rapschwergewichten auf ihrem Album «Sour Soul» für die Nachfolgerplatte u.a. den Freizeitrapper Samuel Herring ein, der sich in diesem Song auf seine Future-Islands-Stimme besinnt. So entstand ein Song, der zum Innehalten zwingt. Und aus dem Himmel tropft die Zeit – doch das ist eine andere Geschichte.
Ada: «You and Me»
Haustanzlieblingsmusik von der Kölnerin Ada, die mit diesem Track auf der Pampa-Records-Compilation vertreten war. Wäre ich bereits im Emoji-Zeitalter angekommen, dann würde hier ein <3 stehen, mindestens.