Laurel Halo: «Dust»

ansicht 6423 Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

Woraus bemerkenswerter Weise fast nichts hervorgeht, (ausser, dass Laurel Halos «Dust» ein Album ist, das unbedingt gehört werden muss.)

Wie über ein Album schreiben, das sich allen Zuschreibungen verwehrt, mal Pop, dann wieder höchst unkonkret ist, sehr lustig, und aber auch sehr ernst und berührend klingt? Gar nicht – und einfach bloss immer wieder darauf hinweisen, wie grossartig Laurel Halos neues Album «Dust» ist, war eigentlich mein Plan, doch das wäre dann doch zu faul gewesen. Wo aber beginnen? Bei den Stimmen, die nach ihrem Debüt «Quarantine» verschwunden sind und hier von Halo und Gastsängerinnen wie Lafawndah und Klein stammen, scheint am einfachsten, doch einfangen kann man auch diese nicht – abgesehen vom berückenden, doch auch ziemlich niederschmetternden Vorschlusstrack «Do U Ever Happen».

Eher befindet man sich als Hörer auf Schlaufen, die jenen aus dem Video zu «Jelly» gleichen, dem Song, der mich fortwährend fasziniert und neben dem munter und doch strange lostanzenden «Moontalk» am ehesten nach Pop klingt, der sich hier im neugierigen Laborzustand befindet.

Mit dem Hashtag «Freeform» kategorisiert Halo, die seit einigen Jahren in Berlin lebt, einige ihrer Mixes. Was diese «freeform» bei Halo bedeutet, ist auch auf «Dust» nachzuhören: Es gibt Technoelemente und konkrete Poesie zu hören, verirrte Bläser und Perkussion und immer viel Raum, in dem sich verlieren kann, wer will. Doch bei allen Freiheiten und Schwerelosigkeiten und Risiken, die sich diese Musik nimmt, ist «Dust» nie auch nur unentschieden, sondern eine Platte, die bei aller Offenheit doch sehr konzentriert gebaut ist. Vielleicht ist es dieses Genaue im Alles-Offenen und Abwegigen, was «Dust» und diese Künstlerin ausmacht.

a0207518669 10 Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

Laurel Halo: «Dust» (Hyperdub)

Foto: Philip Aumann

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