Die Platten der Popletter-Woche

P2220421 SW 04 670 Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

Da es eine besonders üppige Plattenwoche ist: Die Auskopplung aus dem Popletter «Listen Up!» mit der Nummer 129. Wer diesen Sunday Service immerzu möchte, schreibe sich hier ein.

Papiro: «Automare» (Muscut)

Einer der unbesungenen Musiker der Schweiz ist Marco Papiro, der aus seinen Synths und Keyboards diese Musik klaubt. Das klingt nicht mehr heilig wie auf dem Vorgängeralbum «Teopatia», sondern wie kollidierende Weltallpartikel, die sich zu grossen Tracks wie dem Beinahepop des Titelstücks zusammensetzen. Und: Das Cover ist nun eben Panda Bear in monochrom. Ein schönes Teil.

Hype Williams: «Rainbow Edition» (Big Dada)

Verwirrung stiften, das können Inga Copeland und Dean Blunt sehr gut. Denn was oder wer alles genau hinter diesem Release steht, scheint niemand genau zu wissen. Alles Fake, oder was? Jedenfalls: Der Vorabtrack «Kathy Goes 2 Haiti» ist fernab von jeden Hochstapeleien ziemlich garstig – und gut.

Boiband: «The Year I Broke My Voice» (Staatsakt)

Was macht eigentlich Hans Unstern? Nun, er hat eine Band gegründet, gemeinsam mit «Performance Wunderkind» Tucké Royale und dem Rapper Black Cracker. Gemeinsam spielen sie eine Musik für die «Effeminisierung des Abendlandes», wie es heisst, oder anders: «Let's make love on the Bikini Atoll».

EMA: «Exile in the Outer Ring» (City Slang)

Die Musik, die Erika M. Anderson mit Gitarre und dem Drumcomputer anstimmt, ist versehrt und übersteuert, denn die USA und die amerikanische Gesellschaft, die sie hier besingt, ist zersetzt mit Drogen und Rassismus. Ein Album zur Zeit.

Nadine Shah: «Holiday Destination» (1965 Records)

«How you gonna sleep tonight?», fragt Nadine Shah im Titelsong ihres neuen Albums, und so, wie sie das singt, kann die Antwort nur lauten: Nicht sehr gut. Auch da sind die Riots und der Krieg in Syrien sehr nah. Mehr zu ihr und ihrem Album gibts hier zu lesen.

Ghostpoet: «Dark Days + Canapes» (PIAS)

Gegen innen wie aussen richtet sich der Blick von Ghostpoet, doch Licht findet er fast nicht. Weil: Es sind «End Times».

The War on Drugs: «A Deeper Understanding» (Warner)

Ist das nur Truckdriver-Musik oder doch viel mehr, was Adam Granduciel hier macht? Ich höre weiter.

Oh Sees: «Orc» (Castle Face Records)

Das «Thee» ist weg, doch die Band von John Dwyer bleibt die beste Rock'n'Roll-Band der Gegenwart. Wer daran zweifeln sollte, hört sich einfach den Geisterbahn-Springteufel-Vorabtrack «The Static God» an.

Iron & Wine: «Beast Epic» (Sub Pop)

Irgendwann wurden Sam Beam seine Platten wohl doch zu üppig. Nun kehrt er zum fast naturbelassenen Folk seiner frühen Jahre zurück. Erinnert ihr euch?

Jen Cloher: «Jen Cloher» (Milk!)

Sie ist verheiratet mit Courtney Barnett (die hier auch Gitarre spielt), nun tritt Jen Cloher aus dem Rampenlicht mit diesem Album, das hoffentlich nicht untergeht.

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