15 Songs (Edition Sommer 2017)

14605d0f-9082-4714-b4ae-15a2e576db5a.jpg. CB327923689 Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

Lieblingssongs? Lieblingssongs! Beispielsweise diese hier aus dem laufenden Jahr, lückenhaft zusammengetragen in lichten Momenten.

Oliver Coates: «Peace»

Das Treffen mit Oliver Coates an der Bad Bonn Kilbi war eine der schönen Begegnungen des Jahres und diese Interpretation von einem Stück von Mica Levi zeigt dann auch, was für ein grossartiger Musiker er ist. Nicht nur das geht under my skin.

Laurel Halo: «Jelly»

Der unkonkrete und schlaufendrehende Popsong des Jahres ist immer noch «Jelly» von Laurel Halo, der mich fortwährend fasziniert. Gut, gibts endlich das ganze Album «Dust» auch noch zu hören.

Calvin Harris (feat. Frank Ocean & Migos): «Slide»

Dieses Unding habe ich schon so oft gestreamt, dass Frank Ocean eines Tages allenfalls doch noch den Buben mit Pfeife von Picasso kaufen kann. Nun denn: Calvin Harris ist jedenfalls ziemlich egal, denn was zählt, ist, das hier: Ocean (dessen «Blonde» eigentlich die einzige Platte war, die ich zu Beginn des Jahres gehört habe) singt hier wie so schön bzw. scheint bei sich zu sein wie selten zuvor.

Jeans for Jesus: «Is It Better to Burnout than to Fade Away?»

Hier könnte auch beispielsweise «Tell Em» oder «Wosch no chli blibä» oder «Stakes» oder der letzte Popsong stehen, doch wenn ich mich wirklich entscheiden müsste für ein nur einen Song ab «P R O» (das muss ich mich ja glücklicherweise nicht), dann fiele die Wahl auf dieses hier. Was ich damals schrieb? «Der Karneval schleicht sich an, gleich zu Beginn dieses Meisterstücks, das eigentlich gefeiert gehört, wäre es nicht so traurig: 'Fr meh aus mönsch si längt mini chraft nüm' singt hier Demian Jakob, der das 'fade away' von Neil Young in «la nis la verblassä» umdichtet. Die Tränen sind echt.» Und auch: Wer braucht da noch den Stammtisch?

Kelly Lee Owens (feat. Jenny Hval): «Anxi»

Das Album habe ich noch immer erschlossen, umso mehr aber diesen Track hier, der über himmlische Umwege in den Club zieht. Der Free-Falling-Moment bei 1:49 funktioniert auch nach dem hundersten Anhören.

Childish Gambino: «Redbone»

Jaja, aus dem alten Jahr, wenn man streng ist, doch Donald Glovers Meisterstück drehte ja auch in meinem Film des Jahres «Get Out» seine Spoilerrunden, weil: «But stay woke // Niggas creepin' // They gon' find you», und nicht nur seither geht mir dieser Song nicht mehr aus dem Sinn.

Julie Byrne: «Morning Dove»

Ein neues Sonntagmorgenritual ist – neben dem Popletterverschicken – das Anhören der Sendung von Mary Anne Hobbs, wo sie nicht nur einmal diesen Song spielte. Und während mir das Anhören des ganzen Albums von Julie Byrne beinahe zu schön ist, passen einzelne Songs wie eben «Morning Dove» wunderbar. Zumal dann, wenn alles noch erwacht.

Grizzly Bear: «Mourning Sound» & «Three Rings» & «Four Cypresses»

Vielleicht wird das Albumcover dann ganz grauslig, doch die drei Songs, die Grizzly Bear nach längerer Pause nun veröffentlicht haben, die sind alle on repeat. Was man überall hören kann: Wie gross die Freude der Band am Zusammenspiel ist. Und ich meinte schon, dass mir Grizzly Bear im Jahr 2017 herzlich egal sein werden. Weil es das erste war, ist hier «Three Rings» eingebettet:

Mount Kimbie (feat. Micachu): «Marylin»

Micachu-Love, immer wieder, und aber auch wieder einmal für Mount Kimbie, die mit ihr diesen herrlich schläfrigen Song geschrieben haben.

Dirty Projectors: «Cool Your Heart»

Ich wünschte, ich könnte Dave Longstreths Album mehr lieben, aber sie ist dann doch zu verquast und männerkriselig und abrechnungslustig. Was aber für immer bleiben wird: «Cool Your Heart», das Longstreth gemeinsam mit Dawn Richard singt. Denn das ist jener brillante Song, mit dem neue Existenzen begonnen werden können.

Slowdive: «Sugar for the Pill»

Was kümmert mich eine Band wie Slowdive in der Gegenwart? Auch das war natürlich eine schöne und vorschnelle und übercoole Fehleinschätzung, weil dieser Song sich dort aufhält, wo es am Stillsten ist (so heisst es jedenfalls): im Auge des Orkans.

Man Forever: «You Were Never Here» (featuring Yo La Tengo)

More Drums, please, und aber auch die schwebenden Yo La Tengo-Stimmen, in diesem fantastischen Werk des Oneida-Schlagzeugers John Colpitts. Spiel es laut!

Shabazz Palaces: «Shine a Light»

Nur noch 14 mal schlafen bis zur Shabazz-Doppelalbumveröffentlichung, die aber auch too much werden könnte. Falls das so wäre: Diese Single hier, die heavy und immer noch himmlisch ist.

Migos: «Bad and Boujee»

Migos is culture, und nur ihr Lama-Freestyle ist besser.

Lorde: «Green Light»

Zum Schluss: Das grosse und unwiderstehliche Popmelodrama, inszeniert von Lorde. Das grüne Licht, es wird den Weg freisprengen.

Die Platten, die Platten des Halbjahres: Hier sind sie.

Der Popletter, der Popletter der Sonntage: Hier kann man ihn abonnieren.

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